{"id":1619,"date":"2010-11-18T01:27:42","date_gmt":"2010-11-18T01:27:42","guid":{"rendered":"http:\/\/ufoportglufenteich.net\/?p=1619"},"modified":"2010-11-18T01:27:42","modified_gmt":"2010-11-18T01:27:42","slug":"bahnprojekt-wildbad-gompelscheuer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ufoportglufenteich.de\/?p=1619","title":{"rendered":"Bahnprojekt Wildbad \u2013 Gompelscheuer"},"content":{"rendered":"<p>Als am Ende des 19. Jahrhunderts der Bau von Eisenbahn-Hauptstrecken im damaligen K\u00f6nigreich W\u00fcrttemberg weitgehend abgeschlossen war, bildeten sich allerorts Initiativen zum Bau von Nebenlinien, die die abseits der Verkehrsstr\u00f6me gelegenen Orte an das Netz anbinden sollten. Viele dieser Projekte wurden realisiert, wohl mindestens ebensoviele verschwanden jedoch aufgrund mangelnder Aussicht auf Rentabilit\u00e4t bald wieder in den Schubladen der Beh\u00f6rden. Hierunter befinden sich einige Kuriosit\u00e4ten \u2013 wie etwa der Plan, eine elektrische Schmalspurbahn von Wildbad (heute Bad Wildbad, Landkreis Calw) nach Gompelscheuer, einem kleinen Weiler im oberen Enztal, zu bauen. <!--more--><\/p>\n<p><em>\u2013 \u00dcberland-Stra\u00dfenbahn f\u00fcr Kurg\u00e4ste \u2013<\/em><\/p>\n<p>Wildbad war damals ein mond\u00e4ner Kurort und wurde von zahlreichen \u2013 auch internationalen \u2013 Badeg\u00e4sten besucht. Schon im Jahr 1868 wurde die Stadt \u00fcber das badische Pforzheim an das Eisenbahnnetz angeschlossen. Neben dem Personenverkehr spielte hier auch der Abtransport von Holz eine bedeutende Rolle. Die weiter oberhalb im Enztal gelegenen Orte waren dagegen beim Holztransport weiterhin auf die Fl\u00f6\u00dferei angewiesen. So entstand in der Gemeinde Enztal (heute Enzkl\u00f6sterle) die Idee, eine Eisenbahnlinie von Wildbad \u00fcber Christophshof, Nonnenmi\u00df, Enztal \/ Enzkl\u00f6sterle bis nach Gompelscheuer zu bauen. Hierzu wurde ein N\u00fcrnberger Regierungsbaumeister namens Wallensteiner damit beauftragt, eine Studie zu erstellen. Er arbeitete im Jahr 1899 einen detaillierten Plan aus, der aus heutiger Sicht recht grotesk erscheint.<\/p>\n<p>In der Ortschronik von Enzkl\u00f6sterle sind Ausz\u00fcge aus dieser Schrift abgedruckt. Der Plan sah eine Schmalspurbahn mit einer Spurweite von 600 mm vor, die elektrisch betrieben werden sollte. Bei der Sprollenm\u00fchle war hierf\u00fcr die Errichtung eines Wasserkraftwerks vorgesehen. Im Stadtbereich sollte die Strecke als Stra\u00dfenbahn angelegt werden und \u00fcber die Wilhelm- und Kernerstra\u00dfe verlaufen. Im Anschluss war bis zum Weiler Nonnenmi\u00df eine Trasse parallel zur Stra\u00dfe im Enztal geplant, w\u00e4hrend das Restst\u00fcck bis Gompelscheuer im Wiesenbereich verlaufen sollte. Bei den Weilern Christophshof und Sprollenm\u00fchle, sowie in Enztal \/ Enzkl\u00f6sterle und am Endpunkt in Gompelscheuer war die Errichtung von Holzverladestellen geplant.<\/p>\n<p><em>\u2013 Nach Gompelscheuer im Stundentakt \u2013<\/em><\/p>\n<p>Das Betriebskonzept sah vor, auf der Innenstadtstrecke vom Bahnhof Wildbad bis zum Windhof im 15-Minutentakt zu fahren. Bis zur Sprollenm\u00fchle sollten die Bahnen jede halbe Stunde verkehren, bis Gompelscheuer jede Stunde \u2013 f\u00fcr die \u00e4u\u00dferst d\u00fcnn besiedelte Region ein sehr dichter Fahrplan, verkehrten doch seinerzeit auf Nebenstrecken selten mehr als vier Zugpaare am Tag. In Wallensteiners Studie ist zu lesen: <em>Wenn die Bahn dem Verkehr Wildbads und seiner Gr\u00f6\u00dfe dienen soll, so mu\u00df eine recht zahlreiche Fahrgelegenheit vorhanden sein, [&#8230;] Dies weist auf einen Betrieb hin, wie er bei st\u00e4dtischen Stra\u00dfenbahnen vorhanden ist<\/em> \u2013 ein Hinweis auf den lebhaften Kurbetrieb im damaligen Wildbad. Die Badeg\u00e4ste sollten so die Gelegenheit erhalten, <em>m\u00fchelos in das mit vielen landschaftlich sch\u00f6nen Punkten ausgestattete obere Enztal bef\u00f6rdert zu werden<\/em>.<\/p>\n<p>Es sollten acht elektrische Triebwagen mit 30 &#8211; 40 Sitzpl\u00e4tzen zum Einsatz kommen, f\u00fcr den Transport von Gep\u00e4ck, Post und St\u00fcckgut sowie f\u00fcr Holz war zudem die Anschaffung von G\u00fcterwagen vorgesehen. Vom Bahnhof Wildbad bis nach Gompelscheuer w\u00e4re auf etwas mehr als 17 Kilometern ein H\u00f6henunterschied von 244 Meter zu \u00fcberwinden gewesen. Der Ein- und Ausstieg sollte auch abseits der Haltestellen m\u00f6glich sein. F\u00fcr die Fahrt nach Gompelscheuer war bei einer Geschwindigkeit von 10 km\/h im Stadtbereich und 15 km\/h auf \u00dcberlandabschnitten eine Fahrzeit von 80 bis 85 Minuten zu erwarten.<\/p>\n<p>[googlemaps http:\/\/maps.google.com\/maps\/ms?ie=UTF8&amp;hl=de&amp;msa=0&amp;msid=103240014575577951276.0004951d844a920b5c7ac&amp;ll=48.701838,8.509254&amp;spn=0.140936,0.213203&amp;z=12&amp;output=embed&amp;w=622&amp;h=622]<\/p>\n<p>Die Karte zeigt den ungef\u00e4hren Streckenverlauf und die geplanten Stationen. Dass die Bahn nie gebaut wurde, verwundert angesichts der Eckdaten nicht weiter. Sie h\u00e4tte wahrscheinlich keine all zu gro\u00dfe Lebensdauer gehabt, vermutlich w\u00e4re sie schon vor oder kurz nach dem Zweiten Weltkrieg wieder stillgelegt worden. Mit der f\u00fcr \u00f6ffentliche Bahnen un\u00fcblichen Spurweite von 600 mm w\u00e4re sie in W\u00fcrttemberg ein Unikat geblieben \u2013 insgesamt wurden in Deutschland nur sehr wenige Linien dieser Art gebaut, das Gr\u00f6\u00dfte Netz besa\u00df die einstige <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Mecklenburg-Pommersche_Schmalspurbahn\">Mecklenburg-Pommersche Schmalspurbahn<\/a>.<\/p>\n<p><em>\u2013 2002: Stadtbahn zum Wildbader Kurpark \u2013<\/em><\/p>\n<p>So absurd die Vorstellung einer elektrischen Stra\u00dfenbahn durch das obere Enztal nach Gompelscheuer erscheinen mag, ein Teil des Projekts ist in anderer Form etwa 100 Jahre sp\u00e4ter doch Realit\u00e4t geworden. Im Jahr 2002 wurde die Enztalbahn elektrifiziert und als Stra\u00dfenbahn um etwa einen Kilometer durch das Stadtgebiet zum Kurpark verl\u00e4ngert. Hier kommen nun Zweisystem-Stadtbahnwagen der AVG zum Einsatz. Die Innenstadtstrecke ist wegen der beengten Verh\u00e4lntisse nach der Stra\u00dfenbahn-Bau- und Betriebsordnung angelegt worden und wird mit 750 V Gleichstrom betrieben.<\/p>\n<div id=\"attachment_1641\" style=\"width: 632px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1641\" src=\"http:\/\/ufoportglufenteich.de\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/wildbad11.jpg\" alt=\"\" title=\"\" width=\"622\" height=\"467\" class=\"size-full wp-image-1641\" srcset=\"https:\/\/ufoportglufenteich.de\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/wildbad11.jpg 622w, https:\/\/ufoportglufenteich.de\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/wildbad11-300x225.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 622px) 100vw, 622px\" \/><p id=\"caption-attachment-1641\" class=\"wp-caption-text\">&copy; Ji\u0159\u00ed 7256<\/p><\/div>\n<div id=\"attachment_1642\" style=\"width: 632px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1642\" src=\"http:\/\/ufoportglufenteich.de\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/wildbad2.jpg\" alt=\"\" title=\"\" width=\"622\" height=\"466\" class=\"size-full wp-image-1642\" srcset=\"https:\/\/ufoportglufenteich.de\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/wildbad2.jpg 622w, https:\/\/ufoportglufenteich.de\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/wildbad2-300x224.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 622px) 100vw, 622px\" \/><p id=\"caption-attachment-1642\" class=\"wp-caption-text\">&copy; Ji\u0159\u00ed 7256<\/p><\/div>\n<p>Die Orte im oberen Enztal sind dagegen weiterhin nur mit dem Bus erreichbar. Der damals angedachte Stundentakt nach Gompelscheuer ist heute fast Realit\u00e4t, sieht man von Taktl\u00fccken am Vormittag und Abend ab. Links hinter der Haltestelle sollte einst der Bahnhof entstehen.<\/p>\n<div id=\"attachment_1653\" style=\"width: 632px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1653\" src=\"http:\/\/ufoportglufenteich.de\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/gompelscheuer_haltestelle.jpg\" alt=\"\" title=\"\" width=\"622\" height=\"467\" class=\"size-full wp-image-1653\" srcset=\"https:\/\/ufoportglufenteich.de\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/gompelscheuer_haltestelle.jpg 622w, https:\/\/ufoportglufenteich.de\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/gompelscheuer_haltestelle-300x225.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 622px) 100vw, 622px\" \/><p id=\"caption-attachment-1653\" class=\"wp-caption-text\">&copy; Ji\u0159\u00ed 7256<\/p><\/div>\n<p>Alle Aufnahmen entstanden am 17. November 2010.<\/p>\n<p>Literatur:<\/p>\n<p>Geier, Martin: Die Enztalbahn. Von der Stilllegungsdiskussion zur Stadtbahn. Ubstadt-Weiher 2003.<\/p>\n<p>Mayer, Gerhard: Die Enztalbahn \u2013 Ein Jahrhunderttraum. Elektrisch betriebene Nebenbahn Wildbad \u2013 Gompelscheuer. In: Das Heimatbuch Enzkl\u00f6sterle. Eine Schwarzwaldgemeinde 1145-2003. Enzkl\u00f6sterle 2003. S. 129-132.<\/p>\n<p>Wikipedia: <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Enztalbahn\">Enztalbahn<\/a>. 2010.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als am Ende des 19. Jahrhunderts der Bau von Eisenbahn-Hauptstrecken im damaligen K\u00f6nigreich W\u00fcrttemberg weitgehend abgeschlossen war, bildeten sich allerorts Initiativen zum Bau von Nebenlinien, die die abseits der Verkehrsstr\u00f6me gelegenen Orte an das Netz anbinden sollten. 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