{"id":467,"date":"2010-07-14T23:59:06","date_gmt":"2010-07-14T23:59:06","guid":{"rendered":"http:\/\/ufoportglufenteich.wordpress.com\/?p=467"},"modified":"2010-07-14T23:59:06","modified_gmt":"2010-07-14T23:59:06","slug":"utingen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ufoportglufenteich.de\/?p=467","title":{"rendered":"\u00dctingen"},"content":{"rendered":"<p>Zwischen M\u00f6nsheim und Wimsheim (Enzkreis) liegt eine abgegangene Siedlung mit dem Namen <em>\u00dctingen<\/em>. Nur wenig ist \u00fcber diese W\u00fcstung bekannt, in historischen Quellen wird sie nur selten genannt und weder in M\u00f6nsheim noch in Wimsheim hat sich die Erinnerung an sie erhalten. Weder die <em>Beschreibung des Oberamts Leonberg<\/em> von 1852 noch die <em>Geschichte des Dorfes M\u00f6nsheim<\/em> von Gustav Hoffmann 1904 erw\u00e4hnen den verschwundenen Ort, die Verfasser scheinen keine Kenntnis von ihm gehabt zu haben.<\/p>\n<p>In der Neubearbeitung der Leonberger Oberamtsbeschreibung von 1930 wird zum ersten Mal auf den Ort hingewiesen: In einer Maulbronner Quelle aus dem Jahr 1375 wird <em>eine Wiese zu \u00dctingen, an der Fr\u00fchmesse zu M\u00f6nsheim Wiese<\/em> auf Wimsheimer Gemarkung erw\u00e4hnt (vgl. OAB Leonberg 1930, S. 1122). Dies bleibt auch der einzige direkte Beleg des Namens. Dass die Siedlung zu diesem Zeitpunkt noch existiert hat, ist unwahrscheinlich, da sie sonst nirgends in Quellen auftaucht und auch in diesem Beleg kein Hinweis auf einen bewohnten Ort gegeben ist. Offenbar war der Ortsname damals bereits auf die entsprechende Flur reduziert \u2013 ein \u00fcberaus h\u00e4ufiger Vorgang. <!--more--><\/p>\n<p>In w\u00fcrttembergischen Lagerb\u00fcchern des 16. Jahrhunderts taucht dann an mehreren Stellen ein Hinweis auf eine Kirche auf: 1565 <em>ein Acker bei Eydenkirchen sto\u00dft unten auf die Oberm\u00f6nsheimer Mark<\/em> und <em>bei Eydenkirchen zwischen dem Berntalweg und X.<\/em>, 1598 <em>bei der Edenkirch<\/em> (vgl. OAB Leonberg 1930, S. 407 und Ehmann 1980, S. 180). Mit gro\u00dfer Wahrscheinlichkeit besteht hier ein Zusammenhang mit der W\u00fcstung \u00dctingen. Die Quellen geben ebenfalls eine Lage an der Gemarkungsgrenze von Wimsheim und (Ober-)M\u00f6nsheim an, wie auch bei dem Beleg von 1375 zu vermuten ist. Oberm\u00f6nsheim war bis 1935 eine selbst\u00e4ndige Gemeinde mit eigener Gemarkung, die M\u00f6nsheimer und Wimsheimer Gemarkungen ber\u00fchrten sich vorher nicht. Der Name <em>Eydenkirchen<\/em> steht m\u00f6glicherweise in Zusammenhang mit dem Ortsnamen <em>\u00dctingen<\/em>, der wohl <em>Itingen<\/em> ausgesprochen wurde. Langes <em>i<\/em> wurde seinerzeit h\u00e4ufig hyperkorrekt als <em>\u00fc<\/em> geschrieben. Die Entwicklung vom mittelhochdeutschen Langvokal <em>\u012b<\/em> zum Diphtong <em>ei<\/em> ist regul\u00e4r, wie etwa von mittelhochdeutsch <em>isen<\/em> zu <em>Eisen<\/em>. Die Variante <em>Edenkirchen<\/em> von 1598 d\u00fcrfte eine Kontamination durch das Adjektiv <em>\u00f6de<\/em> darstellen, da es sich offenbar um eine verlassene Kirche gehandelt hat, also sinngem\u00e4\u00df <em>bei der \u00f6den Kirche<\/em>. Doch auch hier ist nicht zu bestimmen, ob die Kirche im 16. Jahrhundert noch existiert hat, oder ob lediglich der Name noch tradiert wurde. In sp\u00e4teren Quellen taucht der Name nicht mehr auf, was darauf schlie\u00dfen l\u00e4sst, dass auch die Erinnerung an die abgegangene Ortschaft immer mehr verblasste.<\/p>\n<p>Die d\u00fcrftigen Belege machen die Lokalisierung der Siedlung schwierig, doch gibt es durchaus einige Anhaltspunkte. Sie muss sich auf Wimsheimer Gemarkung, in direkter N\u00e4he zur Grenze von Oberm\u00f6nsheim befunden haben. Die 1565 erw\u00e4hnte Lage am <em>Berntalweg<\/em> engt den in Frage kommenden Bereich weiter ein: \u00dcber die Gemarkungsgrenze Wimsheim \u2013 Oberm\u00f6nsheim hinweg erstreckt sich eine Flur namens <em>Berndel<\/em> (verschliffen aus <em>Berntal<\/em>, siehe Karte, in heutigen amtlichen Karten <em>B\u00e4rental<\/em> geschrieben), der entsprechende Weg muss sich in deren N\u00e4he befunden haben. Da die Siedlung an einem Wasserlauf anzunehmen ist, k\u00f6nnte sie sich etwa dort befunden haben, wo die Gemarkungsgrenze den Grenzbach schneidet, also unweit des heutigen Lerchenhofs am gegen\u00fcber liegenden Hang.<\/p>\n<p>Der Lerchenhof wurde erst im 18. Jahrhundert von M\u00f6nsheim aus gegr\u00fcndet. Seine Bewohner waren jedoch, wie auch die von Oberm\u00f6nsheim, in Wimsheim eingepfarrt. Auf diese Hofsiedlung, heute ein Reiterhof, geht auch der Flurname <em>Kirchh\u00f6fle<\/em> zur\u00fcck. Die so bezeichnete Flur erinnert an den ehemals eigenst\u00e4ndigen Begr\u00e4bnisplatz des Lerchenhofs (vgl. OAB Leonberg 1852, S. 272), sie liegt eine hundert Meter n\u00f6rd\u00f6stlich der Wohn- und Wirtschaftsgeb\u00e4ude und hat demnach keine Beziehung zu \u00dctingen.<\/p>\n<p>Nicht auszuschlie\u00dfen, wenn auch weniger wahrscheinlich, ist dagegen die Lage am ehemaligen Isenbach, dem Vorl\u00e4ufer des Gurrlesbachs. Dieser ist heute auf seinem Oberlauf versiegt, er entsprang auf Wurmberger Gemarkung und floss in den Paulinensee. Er f\u00fchrt heute nur noch nach lang anhaltendem Niederschlag oder bei der Schneeschmelze Wasser. Die Lage an der Grenze Wimsheim \u2013 Oberm\u00f6nsheim ist hier ebenfalls gegeben, allerdings ist die Flur Berndel von hier einen guten Kilometer entfernt. Falls sich \u00dctingen hier befunden haben sollte, d\u00fcrfte es in der N\u00e4he des heutigen R\u00fcckhaltebeckens am Radweg vom Paulinensee in Richtung Hagenschie\u00df zu suchen sein. In diese Richtung tendiert die von Seeger in der seiner M\u00f6nsheimer Chronik zitierte, unver\u00f6ffentlichte Wimsheimer Chronik: <em>in der N\u00e4he der Sekunde\u00e4cker oder dem Lippenw\u00e4ldle<\/em> (Seeger 1984, S. 321) \u2013 beide Fluren liegen in der N\u00e4he des Bachlaufs am n\u00f6rdlichen Abhang des Erhardsbergs.<\/p>\n<div id=\"attachment_472\" style=\"width: 632px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-472\" class=\"size-full wp-image-472   \" title=\"Karte \u00dctingen\" src=\"http:\/\/ufoportglufenteich.de\/wp-content\/uploads\/2010\/07\/karte_uetingen.jpg\" alt=\"\" width=\"622\" height=\"467\" srcset=\"https:\/\/ufoportglufenteich.de\/wp-content\/uploads\/2010\/07\/karte_uetingen.jpg 640w, https:\/\/ufoportglufenteich.de\/wp-content\/uploads\/2010\/07\/karte_uetingen-300x225.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 622px) 100vw, 622px\" \/><p id=\"caption-attachment-472\" class=\"wp-caption-text\">Flurkarte NW XXXIII 14, Statistisch Topografisches Bureau des K\u00f6nigreichs W\u00fcrttemberg 1831. Archiv des Landesamts f\u00fcr Geoinformation und Landentwicklung Baden-W\u00fcrttemberg.<\/p><\/div>\n<p>Auf dem Kartenausschnitt von 1831 ist der Bereich um den Lerchenhof und die Flur <em>Berndel<\/em> zu sehen. Heute verl\u00e4uft n\u00f6rdlich des Grenzbachs die 1935 gebaute Kreisstra\u00dfe 4568 Wimsheim \u2013 M\u00f6nsheim. Seine Lage hat sich dadurch etwas ver\u00e4ndert. Am linken Bildrand im Bereich des Grenzbachs k\u00f6nnte sich \u00dctingen befunden haben. \u00dcber die Gestalt der Siedlung oder Gr\u00fcnde f\u00fcr ihren Niedergang kann nur spekuliert werden. Anzunehmen ist jedoch, dass es sich um eine alte Gr\u00fcndung haldelte, da die Endung <em>-ingen, <\/em>ebenso wie<em> -heim<\/em>, ein hohes Alter belegt, man nimmt an, dass Orte mit diesem Suffix im Fr\u00fchmittelalter, etwa bis zum 9. Jahrhundert entstanden sind. Dass die \u2013 angenommene \u2013 Lage f\u00fcr eine Siedlung nicht ung\u00fcnstig war, belegt die Errichtung des Lerchenhofs in nur geringer Entfernung im 17. Jahrhundert. \u00dctingen muss lange Zeit mit den unmittelbar benachbarten Orten Wimsheim und Oberm\u00f6nsheim koexistiert haben. Auf den Internetseiten des Enzkreises wird die Vermutung ge\u00e4u\u00dfert, \u00dctingen sei eine Vorg\u00e4ngersiedlung Oberm\u00f6nsheims gewesen, allerdings ohne dass daf\u00fcr eine Begr\u00fcndung angegeben wird. Es ist jedoch nicht unwahrscheinlich, dass die Siedlung durch Wegzug der Bewohner in die Nachbarorte ver\u00f6dete. Oftmals spielte bei solchen Prozessen auch politische Einflussnahme eine Rolle. Die Kirche, wohl aus Stein gebaut, scheint die Wohn- und Wirtschaftsgeb\u00e4ude noch einige Zeit \u00fcberlebt zu haben, doch auch ihre Spur verliert sich im 16. Jahrhundert. Lediglich einigen Lagerbucheintr\u00e4gen ist zu verdanken, dass die Existenz \u00dctingens heute \u00fcberhaupt bekannt ist.<\/p>\n<p>Literatur:<\/p>\n<p>Ehmann, Karl: Abgegangene Siedlungen im Raum Pforzheim. In: Pforzheimer Geschichtsbl\u00e4tter 5. Pforzheim 1980. S. 153\u2013158.<\/p>\n<p>Enzkreis: <a href=\"http:\/\/www.enzkreis.de\/index.phtml?La=1&amp;sNavID=179.256&amp;mNavID=141.99&amp;object=tx|179.1449.1&amp;sub=0\" target=\"_blank\">M\u00f6nsheim<\/a>. 2010.<\/p>\n<p>Hoffmann, Gustav: Geschichte des Dorfes M\u00f6nsheim. Welzheim 1904.<\/p>\n<p>OAB Leonberg 1852: Beschreibung des Oberamts Leonberg. Herausgegeben von dem K\u00f6niglichen statistisch-topographischen Bureau. Mit drei Tabellen und einer Karte des Oberamts, nebst Titelbild und vier Holzschnitten. Stuttgart 1852.<\/p>\n<p>OAB Leonberg 1930: Beschreibung des Oberamts Leonberg. Herausgegeben vom W\u00fcrttembergischen Statistischen Landesamt. Zweite Bearbeitung. Mit zahlreichen Abbildungen, einer arch\u00f6ologichen Karte und einem Stadtplan von Leonberg. Zwei B\u00e4nde. Stuttgart 1930.<\/p>\n<p>Seeger, Karl: Chronik der Gemeinde M\u00f6nsheim. M\u00f6nsheim 1984.<\/p>\n<p>Wikipedia: <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/-ing\" target=\"_blank\">-ing<\/a>. 2010.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zwischen M\u00f6nsheim und Wimsheim (Enzkreis) liegt eine abgegangene Siedlung mit dem Namen \u00dctingen. Nur wenig ist \u00fcber diese W\u00fcstung bekannt, in historischen Quellen wird sie nur selten genannt und weder in M\u00f6nsheim noch in Wimsheim hat sich die Erinnerung an &hellip; <a href=\"https:\/\/ufoportglufenteich.de\/?p=467\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[86],"tags":[],"class_list":["post-467","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-wustungen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/ufoportglufenteich.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/467","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/ufoportglufenteich.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/ufoportglufenteich.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ufoportglufenteich.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ufoportglufenteich.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=467"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/ufoportglufenteich.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/467\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/ufoportglufenteich.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=467"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/ufoportglufenteich.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=467"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/ufoportglufenteich.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=467"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}